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Presse-Echo

     
  Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur
     

Beeindruckende Lebensbilder

Ein Sammelband mit facettenreichen Porträts profilierter Kölner Theologen
von Klaus-Peter Vosen
„Keine Stadt nördlich der Alpen weist ein so reiches und wichtiges geistiges Leben in der Theologiegeschichte auf wie Köln.“ Diese Behauptung im Umschlagtext des von dem Kölner Prälaten Sebastian Cüppers editierten Sammelbandes könnte auf den ersten Blick nach einem Zuviel an Lokalpatriotismus riechen. Doch demjenigen, der sich in die Lektüre des Werkes vertieft, erschließt sich der ausgesprochene Farbenreichtum und die Bedeutung „kölnischer“ Theologen in beeindruckendem Maße.
22 Lebensbilder beschäftigen sich in diesem Buch mit Persönlichkeiten und theologischem Profil von Gestalten wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Johannes Duns Scotus, Meister Eckhart, Friedrich von Spee, Matthias Joseph Scheeben, Robert Grosche, Edith Stein, Gottlieb Söhngen und Wilhelm Nyssen. Aufnahme in die Sammlung – wir entnehmen es aus dieser Zusammenstellung bereits – fanden „solche Theologen..., die entweder in Köln geboren und aufgewachsen sind oder hier lange gelebt und nachhaltig gewirkt haben“. Die Autoren der einzelnen Porträts, ausgewiesene Fachleute, widmen sich der ihnen im vorliegenden Werk gestellten Aufgabe der theologischen Biographie mit hoher Kompetenz, zuweilen mit großer sprachlicher Brillanz und nicht zuletzt mit echtem Einfühlungsvermögen in die jeweils zu schildernde Persönlichkeit.

Wandlung in der Sicht des Nationalsozialismus
Dass die Beiträge in ihrer Art sehr unterschiedlich sind, macht einen zusätzlichen Reiz aus. Als überaus verdienstvoll ist es anzusehen, dass Gestalten wie der Benediktinerabt Idefons Herwegen von Maria Laach oder der langjährige Pfarrer an St. Aposteln in Köln, Theodor Schnitzler, beide hochverdient um die Pflege und Erneuerung der Liturgie, dem Vergessen einer schnelllebigen Zeit entrissen werden – vor allem, wenn es in so ausgezeichneter Weise wie durch Marcel Albert und Andreas Odenthal geschieht. Hochinteressant ist in der Darstellung von Albert gerade auch die Wandlung in Abt Herwegens Einschätzung des Nationalsozialismus. Zwar hatte der Maria Laacher Klostervorsteher seinem Mitschüler vom Kölner Apostelgymnasium, dem verfolgten Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, Asyl in seinem Kloster gewährt, zugleich jedoch dem nationalsozialistischen Führerprinzip anfangs eine Menge Positives abgewinnen können.
Wie bei so manchem seiner Zeitgenossen dauerte es einige Monate, bis Herwegen Anfang 1934, ernüchtert und enttäuscht, dann in großer Klarheit bekannte: „Wir werden von Verbrechern regiert.“ Hier zeigt sich, wie sehr Theologen bei aller Vermittlung von überzeitlich Gültigem doch auch Kinder ihrer Zeit bleiben.
Insgesamt kann man dem Herausgeber zu dem glänzenden Sammelwerk, das sich einer Anregung des 1994 verstorbenen Wilhelm Nyssen verdankt, herzlich gratulieren. Möge es sich über die Grenzen der Kölner Erzdiözese verbreiten! So lautet der Wunsch des Rezensenten. Allerdings handelt es sich bei den „Kölner Theologen“ nicht um ein Volksbuch. Es setzt eine gewisse theologische Minimalbildung voraus.
Ein kleiner, kritischer Gedankenanstoß zum Schluss: Sicher findet man „in diesem ... Sammelband ... anhand einer europäischen Stadt, nämlich Köln, die Kontinuität eines wissenschaftlichen Faches – der Theologie – über mehrere Epochen, das heißt über mehr als tausend Jahre dargestellt“, wie der Klappentext es verheißt. Aber das im Buch Dargestellte lässt angesichts der Vielgestalt der geschilderten theologischen Ansätze, Anliegen, Herkünftigkeiten und Schulen doch eher Buntheit als ruhige Fortentwicklung erkennen. Anders ist es in einem Sammelband auch schwer denkbar. Ebenso wird man eine prägende Kraft des Kölner genius loci auf die Theologie nicht zu hoch veranschlagen dürfen.
So können wir es Thomas Marschler in seinem hervorragenden Aufsatz über Thomas von Aquin lebhaft nachfühlen, wenn er mit der Frage ringt, inwiefern der Aquinat ein Kölner Theologe genannt werden könne, und schließlich resümiert: „Thomas bemühte sich in Köln um keine andere Wissenschaft als in Neapel oder Paris. Und so können wir ihn, wenn wir uns für seine Lebensjahre am Rhein interessieren, getrost als Kölner Theologen bezeichnen – wenn wir die ganze Betonung auf das zweite dieser Worte legen.“
Artikel der Tagespost vom 19.03.2005
Homepage der Tagespost: www.die-tagespost.de